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Mittwoch, 31. Dezember 2014

Kurze Begegnung (Ganze Geschichte)



Als kleines Schmankerl gibts das ganze auch als "Hörbuch"






Ich bin auf dem Weg zur Bushaltestelle. Es ist heiß, aber zum Glück weht der Wind ein bisschen. Diese Strecke ist einfach nur monoton und man kommt zwangsläufig ins Grübeln. Was hält diese Welt wohl noch alles für mich bereit?
An der Haltestelle sitzen wie üblich die Omis, die nach ihrem Mittagsschlaf in die Stadt gehen. (Seit dem ich in der Stadt wohne, ist mir aufgefallen, dass Omis aus der Stadt sich wirklich sehr von den Omis vom Land unterscheiden.)
Endlich kommt der Bus und ich freue mich auf 10 Minuten Klimaanlage. Auch im Bus sitzen die üblichen Gestalten, außer.......außer dieser charismatische junge Mann, der mit zwei Koffern genau im Mittelgang steht. Mein Blick bleibt an seinen grünen Augen hängen. Erstaunlicherweise wendet er seinen Blick nicht ab......"Können se ma bitte weiter gehen, andere wollen auch noch rein."             Sofort merke ich, wie mir die Röte ins Gesicht schießt. Und jetzt grinst er mich auch noch an. Leicht verlegen gehe ich auf ihn zu und bleibe vor seinen Koffern stehen...diese verdammten Koffer.....
Die Dame hinter mir setzt sich und kann ein leichtes schnaufen anscheinend nicht unterdrücken. Ich zucke mit den Schultern und kann ein kleines Lächeln nicht verhindern. 
"Keiner hat heut zu Tage mehr die Zeit um höflich zu sein." Da er mich immer noch anschaut, scheint er tatsächlich mit mir gesprochen zu haben. "Ja, scheint so." Ja scheint so??? Was Einfallsloseres konnte mir wohl nicht einfallen. Und wieso grinst er mich immer noch an? Irgendwie macht mich das nervös. "Deinem Gesicht nach, würde ich sagen, du hättest gern was anderes gesagt." Einen kurzen Moment schaue ich ihn einfach nur an. Ist das so offensichtlich? "Ja, eigentlich schon, aber manche Dinge sollten besser nur gedacht und nicht gesagt werden." Fährt der Bus heute eigentlich schneller als sonst? "Was hättest du denn gern gesagt?" Ich beiße mir auf die Lippe und überlege, ob ich es wirklich sagen soll. Aber was hab ich schon zu verlieren, ich werde ihn ja doch nur noch 5 Minuten sehen........No risk, no fun, oder?
"Naja, eigentlich hab ich mir nur die Frage gestellt, wie man eine fremde Frau ohne Begrüßung einfach ansprechen kann und sich dann auch noch über die Unhöflichkeiten anderer Menschen mokiert." Seine Verwirrung steht ihm wirklich ins Gesicht geschrieben. Ich sagte ja...no risk,...scheiße. Als er dann aber laut anfängt zu lachen, bin wohl ich diejenige die Verwirrt ausschaut. "Ich hoffe, du überlegst es dir noch mal damit, dass manche Dinge lieber nur gedacht werden, sonst wäre das wirklich sehr schade. Und natürlich hast du Recht. Hallo, ich bin Nils." 
Er streckt mir seine Hand entgegen. Ich schaue seine Hand an und blicke auf sein Gesicht zurück...diese Augen werden mir zum Verhängnis...und reiche ihm wie automatisch meine Hand. "Hi." Genau so, muss eine Männerhand sich an fühlen...weich, aber auch ein wenig rau und kräftig. 
"Du willst mir nicht sagen, wie du heißt?" "Hast du mich danach gefragt?" 
Erst jetzt fällt mir auf, dass er beim Lachen ein kleines Grübchen im Kinn hat. 
"Du machst es mir wirklich nicht einfach. Und mit der banalen Frage ´Wie heißt du?` trau ich mich jetzt gar nicht erst anzukommen." Wieso hält er immer noch meine Hand fest? 
"Ok, überzeugt. Hi, ich bin Luisa." Und genau jetzt hält der Bus und wir sind am Hbf angekommen. Moment, wo waren denn die anderen Haltestellen??? Aber es bleibt uns nichts anderes übrig als auszusteigen. Etwas planlos stehen wir uns jetzt gegenüber. "Wann fährt dein Zug?" Schnell schaue ich auf die Uhr. "In 15 Minuten. Und deiner?" Nun schaut er auf seine Uhr. "Ich hab noch ca., 30 Minuten Zeit. Mhh, ich will ja nicht mit der Tür ins Haus fallen, aber ich würde gern wissen, ob du mit jemandem zusammen bist." Tja, mit dieser Frage hatte ich eigentlich nicht gerechnet.
Wie soll ich es ihm erklären, ohne dass es komisch klingt. Selbst für mich ist meine jetzige Situation noch komisch und über eine Beziehung mag ich nun noch so gar nicht nachdenken. Was bleibt mir also anderes übrig als zu sagen "Es ist kompliziert." Er wendet seinen Blick kurz ab und sagt dann "Das ist es doch immer. Aber lass mich die Frage anders formulieren. Gibt es einen Mann in deinem Leben, den du liebst und dem du treu sein möchtest, oder gibst du mir deine Telefonnummer, damit ich dieser Mann werden kann?" Völlig fassungslos schaue ich in seine Augen. Sagte ich schon, dass sie wirklich verdammt grün sind? "Schon wieder sprachlos? Ich dachte ich hatte dich geben, deine Gedanken nicht mehr für dich zu behalten!" Da ist es wieder, sein Grübchen. "Ich kann Gedanken nur aussprechen, wenn ich etwas gedacht habe, aber ich war tatsächlich grad sehr Gedankenlos." "Ok, aber jetzt sollte dir doch etwas dazu eingefallen sein."
Nun ja, das war es auch. "Ich gebe dir nicht meine Telefonnummer, aber ich gebe dir trotzdem eine Chance, dieser Mann zu werden. Ich fahre sehr häufig mit diesem Bus, weil das mein Arbeitsweg ist. Gelingt es dir, mich in den nächsten 6 Wochen wiederzusehen, könntest du dieser Mann werden." Diesmal bin ich die, die grinst. Als ich ihm meine Gedanken mitteilte, konnte ich seine Verwunderung klar erkennen. Noch schnell drücke ich ihm einen Kuss auf den Mund und ging dann schnellen Schrittes zu meinem Bahngleis. Der Zug steht schon da und bevor ich es mir anders überlegen kann, steige ich ein und fahre zur Arbeit.
Ich glaub, ich muss verrückt geworden sein, so mutig war ich noch nie. Aber ich habe ja auch nichts mehr zu verlieren. Die nächsten sechs Wochen werden bestimmt die aufregendsten und nervtötesten Wochen die ich seit langer langer Zeit hatte. Werde ich ihn wiedersehen???




Fin



Wenn euch die Kurzgeschichte gefallen hat, würde ich mich über positives Feedback sehr freuen :)
Und wenn es euch nicht so gut gefallen hat, könnt ihr mir auch gern konstruktive Kritik geben ;)

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