1. Treffen - ER
Also
wenn die heut Morgen man ich mit dem falschen Fuß aufgestanden ist. Das is ja wirklich
genau die Art von Frau, die ich in einem Buchladen erwartet habe.
Allerdings
nicht im Laden von Herr Winkler. Und ich lasse mich bestimmt nich von so einer
anpampen. „Ich kann mir Nachnamen sehr gut merken. Die anderen Verkäuferinnen
waren allerdings bisher so freundlich, dass wir uns mit Vornamen ansprachen. Ich
habe nach Herr Winkler gefragt, weil ich ihn seit 15 Jahren kenne und mich
daher gefreut hätte, ihn heute zu sehen. Mit Ihnen Vorlieb nehmen? Tja, das
muss ich dann wohl.“ Sie zieht ihre Strickjacke enger um ihren Körper. Sie hat
wirklich eine Strickjacke an, aus welchem Jahrhundert kommt die eigentlich?
„Es
tut mir leid, wenn ich mich im Ton vergriffen habe. Können wir uns nun
hinsetzen und mit der Besprechung beginnen?“ ich spare es mir, ihr zu sagen,
dass sie sich nicht im Ton vergriffen hat, sondern in ihrer Wortwahl und setze
mich lieber schnell hin. Als sie anfängt, über die Lesung zu sprechen, bekommt
sie ein Strahlen in den Augen, das ihr biederes Erscheinungsbild nicht erahnen lässt.
Ich bin auf einmal wie gefesselt und kann meinen Blick kaum von ihr abwenden. Sie
zeigt mir ein paar Schaubilder, aber ich nicke einfach nur. Es is faszinierend
ihr zuzuhören. Vielleicht sollte sie diejenige sein, die morgen mein Buch
vorliest.
„Würden
Sie morgen aus meinem Buch vorlesen? Sie haben so eine fantastische Stimme. Es
ist fast so, als wenn man an einem Buch riecht. Man riecht etwas gemütliches
und etwas fantastisches. An genau das lässt mich auch Ihre Stimme denken.“ Ach
du Scheiße, hab ich das jetzt wirklich laut gesagt? Ihrem bleichen Gesichtsausdruck
nach ja. „Was haben Sie gerade gesagt?“ „Ähm, Entschuldigung. Das ist sonst
nich meine Art. Aber Ihre Stimme ist wirklich schön.“ Ich habe das Gefühl, ihre
braunen Augen fressen sich in mein Hirn. „Ich meine das, was Sie über den
Geruch von Büchern gesagt haben.“ Was hab ich nochmal gesagt? Ach ja. „Das neue
Bücher immer nach etwas gemütlichem und etwas fantastischem riechen.“ Sieh
guckt mich noch kurze Zeit an, steht dann auf, geht hinter die Verkaufstheke
und holt ein altes Märchenbuch heraus. Ich erkenne es sofort. Es ist das Buch,
indem ich hier früher immer gelesen habe. Sie klappt den Deckel auf und legt
das Buch vor mir hin.Das
habe ich wirklich schon ganz vergessen…
.......

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